Höhe der Selbstbeteiligung bei der PKV

Zunächst ist festzuhalten, dass es sich bei einer tariflichen Selbstbeteiligung nicht um eine Leistung handelt, sondern vielmehr um einen preisbildenden Faktor. Eine Erhöhung der Selbstbeteiligung ist somit formal kein Leistungsnachteil. Vielen privat Versicherten ist jedoch wichtig, dass die Selbstbeteiligung möglichst gering ist, so wie sie es aus der gesetzlichen Versicherung kennen. Doch das macht in vielen Fällen wirtschaftlich keinen Sinn.

Warum kann es gut sein, die Selbstbeteiligung zu erhöhen?

a. Versicherte Personen

Aufgrund der Tatsache, dass der Arbeitgeber bei Angestellten die Hälfte des Beitrages, aber keinen Anteil an der Selbstbeteiligung zu tragen hat, sind Angestellte in der Regel in Tarifen mit niedrigeren Selbstbeteiligungen versichert.

Statistisch sind Angestellte häufiger krank, als Selbständige. Vor allem haben Selbständige ein anderes Kostenbewusstsein und vermeiden somit – auch schon aus Zeitgründen – unnötige Arztbesuche. Zwar ist der “Gelbe Schein” bei Angestellten nicht mehr so “beliebt”, wie noch vor wenigen Jahren, doch ist er alleine notwendig, um bei mehrtätiger Erkrankung die Arbeitsunfähigkeit nachzuweisen.

Ein platter Satz wie “Selbstständige haben gar keine Zeit krank zu werden” stößt bei vielen Menschen auf Zustimmung. Vielleicht auch aus diesem Grund sind die Kostenstrukturen in Tarifen mit höheren Selbstbeteiligungen statistisch günstiger.

b. Aufwand der Versicherung

Durch erhöhte Selbstbeteiligungen sind Versicherte – ähnlich wie bei Aussicht auf hohe Beitragsrückerstattung – angehalten, Arztrechnungen zu sammeln. Auch hier wird der unnötige Arztbesuch vermieden, da die Kosten dafür im Rahmen der Selbstbeteiligung selbst zu tragen sind. Kunden mit Vollkaskomentalität wird es in Tarifen mit hohen Selbstbeteiligungen schon alleine systembedingt in der Regel weniger häufig geben, so dass auch hier Vorteile entstehen.

Dadurch das weniger häufig und dann gesammelt Kosten beim Versicherer abgerechnet werden, ist der kalkulatorische Verwaltungsaufwand für die Gesellschaft geringer, so dass ein weiterer Grund dafür gegeben ist, dass Tarife mit höherer Selbstbeteiligung spürbar günstiger sind.

Dieses Argument ist für die Versicherungen so groß, dass auch aus diesem Grund das System der Beitragsrückerstattungen eingeführt wurde, welches kostenbewusstes Verhalten honoriert.

Hinweis: Tarife mit einer prozentualen Selbstbeteiligung führen dieses Argument ad absurdum. Hier ist der Verwaltungsaufwand gleich hoch, wie bei einem Tarif ohne Selbstbeteiligung, so dass auch das Argument Beitragsrückerstattung nicht mehr greift.

c. Zinseszinseffekt

Aufgrund der aufgeführten Argumente ist die Kostenentwicklung in Tarifen mit höherer Selbstbeteiligung regelmäßig günstiger, als in Tarifen ohne oder mit niedrigen Selbstbeteiligungen. Davon ausgehend, dass die prozentuale Beitragssteigerung in den gleichartigen Tarifen einer Gesellschaft prinzipiell gleich ist, schlägt auch der Zinseszinseffekt zu buche.

4 % von 500 € Beitrag = 20 € Erhöhung

4 % von 250 € Beitrag = 10 € Erhöhung

Langfristig betrachtet ist die Kostenentwicklung in vielen Tarifen so, dass die Ersparnisse in aller Regel über die Jahre größer werden, so dass sich der Zinseszinseffekt für die Kunden deutlich auswirkt. Ein Blick in die Beitragsverläufe der Gesellschaften bestätigt dies.

d. Überproportionale Ersparnis

Dadurch, dass die Versicherten diese Möglichkeiten langjährig nicht genutzt haben und die oben beschriebenen Effekte bereits wirken konnten, kommt es sehr häufig zu stark überproportionalen Ersparnissen.

Beispiel: Erhöhung der Selbstbeteiligung um 600 €

Jährliche Ersparnis: 2.000 €

Das Risiko für den Kunden ist gleich null. Im schlimmsten Fall spart er nur  1.400 €, da er die Selbstbeteiligung aufbringen muss. Solche Konstellationen sind recht häufig gegeben.

e. Chancen auf Beitragsrückerstattungen

Ein weiteres Argument für die Erhöhung der Selbstbeteiligung kann die Chance auf die Inanspruchnahme einer Beitragsrückerstattung sein.

Beispiel:

Monatsbeitrag alt: 350 €

SB alt:                                   600 €

BRE alt:                     3 MB = 1.050 €

Rechnungen:                      2.000 €

Die BRE lohnt sich nicht, der Kunde wird die Rechnungen einreichen, da er hierdurch einen Vorteil von 350 € hat  (2.000 € Kosten – 1.050 € Verlust BRE – 600 € SB).

Gesamtjahresaufwand des Kunden: 4.800 €

(Monatsbeitrag * 12 + 600 € SB)

Monatsbeitrag neu:          200 €

SB neu:                     2.000 €

BRE neu:                  3 MB = 600 €

Rechnungen:                      2.000 €

Die BRE lohnt sich, der Kunde wird die Rechnungen nicht  einreichen, da er hierdurch einen Vorteil von 600 € hat  (2.000 € Kosten – 2.000 € SB + 600 € BRE).

Gesamtjahresaufwand des Kunden: 3.800 €

(Monatsbeitrag * 12 + 2.000 € Kosten – 600 € BRE)

Selbst wenn Kunden also Kosten in Ihren neuen Tarifen haben, kann es auch ohne stark überproportionaler Ersparnis wirtschaftlich sinnvoll sein, eine Änderung vorzunehmen.

f. Nachteil: Steuer

Aufgrund der letzten Änderungen in der steuerlichen Betrachtung der Krankenversicherung spielt dieser Aspekt ebenfalls eine Rolle. Aufgrund niedrigerer Kosten ändert sich ggf. die Steuerlast. Wie die Erstattungen an anderen Stellen wieder zurückgewonnen werden kann, kann nur ein Steuerberater klären.

In den meisten Konstellationen kann es somit sinnvoll sein, die Selbstbeteiligungen zu erhöhen. Langfristig wird dies in vielen Fällen dazu führen, dass die Kosten insgesamt niedriger ausfallen.

Mehr zum Thema Grundsätzliche Überlegungen zur Höhe der Selbstbeteiligung:

Absolute Selbstbeteiligung
Prozentuale Selbstbeteiligung
Selbstbeteiligung nur für Teilbereiche




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